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Stand: 26.08.2015

Pressemitteilung

Bilder des Friedens aus einem Land im Krieg

Es gibt Orte, deren Namen wir ausschließlich mit Krieg und Gewalt verbinden. Mazar-e-Sharif ist so einer. Hören wir von der Stadt im Norden Afghanistans, geht es immer um  Anschläge, Tote und Verletzte, um menschliches Leid und politischen Streit.

Einladungskarte Afghanistan - Bilder des Friedens

  Das Bild auf der Einladungskarte zu Renate Böhms 
  Ausstellung heißt Mazar-e-Sharif I. Aber es zeigt weder
  staubbedeckte Panzer noch unsere Verteidigungsministerin
  auf Besuch bei der Truppe. Stattdessen einen in hellen Farben
  gewandeten Mann mit Turban inmitten schneeweißer Tauben
  vor einer leuchtend türkisfarbenen Moschee. Entstanden ist
  das Bild 2010 - 34 Jahre nach einer Reise nach Afghanistan,
  die tiefe Spuren in Renate Böhms künstlerischem Schaffen
  hinterlassen hat. Und nicht nur das: Das Land und seine
  Menschen begleiten ihr Leben.


Nur wenige Wochen reiste sie damals, 1976, mit einem VW Käfer durch Afghanistan, auf einer Reise, die sie auch nach Indien, Nepal, Pakistan und in den Iran führte. Sie hatte sich dafür ein Urlaubssemester an der Folkwang Schule in Essen genommen. So überwältigt war Renate Böhm von ihren Eindrücken, dass sie ihre Abschlussarbeit des Studiums der freien Malerei und Grafik Afghanistan widmete.

Landschaft in Afghanistan
  Auch drei Bilder aus jener Zeit sind im gleis 7 zu
  sehen: Karge mächtige Felslandschaften,
  durchzogen von zarten Linien transparenter
  Pappeln entlang von Flussläufen und Wegen. Oder
  leuchtende Mohnfelder inmitten saftigen Grüns, oft
  auch die Landschaften Bamiyans in
  Zentralafghanistan, wo sich bis zu ihrer Zerstörung
  durch die Taliban die größten stehenden
  Buddhastatuen der Welt befanden.
  Ganz losgelassen haben diese Eindrücke sie nie,
  aber die folgenden Jahrzehnte sind für Renate 
  Böhm von anderen Schwerpunkten geprägt, privat wie künstlerisch. 1978 zieht sie nach Worms, 1979 und 1982 kommen ihre beiden Kinder zur Welt, sie unterrichtet Stoffdruck und - malerei und arbeitet an atmosphärisch dichten Bühnenbildern für das "Wormser Theater" und für das "Kleine Theater der Volksbühne".

2010 kommt Afghanistan erneut in ihr Leben - und ergreift sofort wieder ihr Herz. Sie begegnet dem afghanischen Frauenverein, einer Hilfsorganisation unter der Schirmherrschaft des im vergangenen Jahr verstorbenen Autoren Roger Willemsen. Renate Böhm unterstützt gemeinsam mit ihrem Bruder Projekte des Vereins - und stürzt sich in eine neue künstlerische Schaffensphase. Einige der Bilder dieser Zeit haben ähnliche Motive wie die Früheren, außerdem kommen Bilder von Menschen in traditioneller Kleidung hinzu. Es ist, als ob sie ein Afghanistan wieder sichtbar machen will, das unter mehr als 30 Kriegsjahren als Spielball fremder Mächte verschüttet wurde. Als ob sie sagen will: Seht her, so könnte dieses Land sein, wenn man es nur in Ruhe ließe.

"Was mir dort begegnete, war ein Gefühl tiefen Friedens."
2015 wird sie gebeten, mit Flüchtlingen zu malen. Sie geht einen anderen Weg: begleitet sie zu Ärzten und Behörden, unterrichtet Deutsch, ist einfach gerne mit ihnen zusammen, weil sie sie als so herzlich, gastfreundlich, liebenswert und humorvoll erlebt. "Die Afghanen kommen kaum vor in der Berichterstattung", sagt sie, "...mit ihrer reichen Kultur, ihren Schicksalen...und jetzt schiebt man viele ab und liefert sie erneut der Gewalt aus." Und es schmerzt sie zu wissen, dass die meisten von ihnen das Land, in das sie selber vor 40 Jahren reiste, so nie kennenlernen durften. "Was mir dort begegnete", sagt sie, "war ein Gefühl tiefen Friedens."

Öffnungszeiten der Ausstellung:

Vom 27.01.2017 bis zum 240.2.2017, Mo. - Fr. von 9.00 - 17.30 Uhr, gleis 7, Renzstraße 3, 1. OG (Zugang durchs Café gleis 7)


Text: Patricia Mangelsdorff, Freie Autorin und Journalistin