URL: www.caritas-worms.de/aktuelles/presse/du-bist-nicht-alleine.-heide-fuhljahn-ermutigt-seelisch-erkrankte-sich-hilfe-zu-suchen.-33450f3c-2c8
Stand: 23.08.2017

Pressemitteilung

„Du bist nicht alleine.“ Heide Fuhljahn ermutigt seelisch Erkrankte, sich Hilfe zu suchen.


Cover des Buches "Von Wahn und Sinn" von Heide Fuljahn© Heide Fuhljahn

Solchen Fragen geht Heide Fuhljahn in ihrem Buch "Von Wahn und Sinn - Behandler, Patienten und die Psychotherapie ihres Lebens" nach. Am 8. Mai 2018 las sie im café gleis 7 des Caritasverbandes Worms daraus. Offen sprach sie dabei auch über sich selbst.

Heide Fuhljahn ist Buchautorin und Journalistin. Sachkundig und verständlich informiert sie; lebendig und respektvoll schreibt sie über Menschen. Doch nicht allein ihr Beruf bringt sie zu ihren Büchern und Artikeln, sondern auch ihr eigenes Leben. Schwere Depressionen begleiten sie schon lange und führten sie häufig in psychiatrische Kliniken. "Bei 30 mal..." sagt sie "...habe ich aufgehört zu zählen." Nach wie vor könne sie nur Teilzeit arbeiten und nehme weiterhin Medikamente. Erst seit wenigen Jahren habe sie das Gefühl, es gehe ihr einigermaßen gut. "Das hätte ich nicht mehr für möglich gehalten."

Heide Fuhljahn hat Mut. Sie zeigt sich nicht nur mit ihren klugen Texten und lebendigen Berichten, sondern auch mit ihrem Ausgeliefertsein an eine seelische Erkrankung. Beides gibt sie von sich preis. Und mit beidem gibt sie anderen den Mut, sich Hilfe zu suchen - auch dann, wenn es viel Geduld und Durchhaltevermögen braucht, um Besserung oder gar Heilung zu finden.

Verschiedene Methoden kennenlernen und ausprobieren
Dass dies für seelisch Kranke sehr schwer sein kann, weiß sie selber genau. Gerade ihnen fehlt oft die Sprache für ihr Leid und das Vertrauen zu anderen. Menschen und ihre Erkrankungen sind ganz verschieden. Für einige seien Methoden hilfreich, in denen sie sich vor allem mit ihrem Körper, mit Farben oder Klängen ausdrücken könnten. Für andere sei es mit Worten einfacher. Die Erforschung der Kindheit und Familie könne wesentlich sein - wie auch das Einüben neuer Verhaltens- und Denkweisen. Deshalb legt Heide Fuhljahn es Betroffenen sehr ans Herz, Verschiedenes kennenzulernen und auszuprobieren. Und sie verschweigt nicht: Fühlt man sich ganz unten, fehlen dazu oft Kraft und Mut.

"Ich wusste ja selbst nicht, was ich habe."
Sehr geholfen habe ihr selber die Behandlung in psychiatrischen Kliniken "...dabei wollte ich lange Zeit auf gar keinen Fall in die Psychiatrie." Zu negativ und veraltet sei ihr Bild davon gewesen.  Wertvoll sei für sie dort auch gewesen, verschiedene Therapien kennenzulernen. Schritt für Schritt lernte sie mit Hilfe von Ärzten und Therapeuten, sich und ihre Erkrankung besser zu verstehen. "Ich wusste ja selbst nicht, was ich habe."

Woran erkenne ich, dass ich in guten Händen bin?
Auf verständliche Weise stellt Heide Fuhljahn Erkrankungen, Therapien und Erfahrungen von Behandelten und Behandlern vor. Rezepte hat sie keine. Doch bei ihrer Lesung gibt sie wichtige Hinweise darauf, woran ich als Patientin oder Patient erkenne, ob ich in guten Händen bin. Nimmt der Therapeut meine Rückmeldungen ernst? Kann er oder sie mit verschiedenen Methoden arbeiten? Ein Beispiel aus dem Buch: Eine Frau findet mit Hilfe ihrer Therapeutin im Lauf der Behandlung Worte für ein furchtbares Kindheitstrauma, führt ein Tagebuch über freudige Erlebnisse, erlernt den Dialog mit ihrem inneren Kind und - es mag überraschend klingen - nimmt ein Bild ihrer Eltern, unter deren Strenge sie litt, aus ihrem Blickfeld. Am Ende der Therapie sind ihre Ängste nicht verschwunden, aber sie kann anders damit umgehen, fühlt sich wohler und ihr Alltag ist bunter und freudiger.

Frühzeitig Hilfe suchen - man muss es nicht alleine schaffen!
Anderen Orientierungshilfen geben und sie ermutigen, sich Hilfe zu suchen. Und zwar frühzeitig! Nicht erst jahrelang zu denken, man müsse es doch alleine schaffen, anderen gehe es schließlich viel schlechter... Denn auch seelische Erkrankungen können schlimmer und chronisch werden, wenn man zu spät mit der Behandlung beginnt. Das sind wichtige Anliegen von Heide Fuhljahn.

Gegen unser übliches Schubladendenken
Und dann ist da noch eine andere Botschaft, die sich durch ihre Arbeit zieht: "Du bist nicht alleine." Heide Fuhljahns Buch ist ein kraftvolles Statement gegen unser übliches Schubladendenken: hier die Gesunden - dort die Kranken. Viele Geschichten, auch ihre eigene, zeigen, dass seelische Beschädigungen das Leben vieler Menschen verdunkeln. Dass aber sie alle gleichzeitig auch starke Seiten, wertvolle Fähigkeiten und das Potential zur Veränderung in sich tragen. Dass psychotherapeutische Behandlungen oder Psychopharmaka zahllose Menschen begleiten. "In der Psychiatrie...", so sagt sie, "...bin ich Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft begegnet."
"Für mich selber..." sagt sie, "…waren die Jahre der Erkrankung verlorene Lebenszeit." Das berührt und ist sehr nachvollziehbar. Und: Zahllosen Menschen macht sie mit ihrem Umgang damit ein wertvolles Geschenk. Denen, die unter der Abstempelung als "psychisch Kranke" leiden. Und auch all jenen, die Seiten von sich verstecken, weil sie sich ihrer schämen. Denn Heide Fuhljahn zeigt uns allen, dass es ein Zeichen enormer Stärke ist, offen zu unseren schwachen und beschädigten Seiten zu stehen.



Zur INFO:
Bereits 2013 wurde Heide Fuhljahns Sachbuch "Kalt erwischt - Wie ich mit Depressionen lebe und was mir hilft" in Kooperation mit der Zeitschrift Brigitte veröffentlicht. Es stand zehn Wochen auf der SPIEGEL-Bestseller-Liste.

Die Lesung fand im Rahmen der Tage der Seelischen Gesundheit unter der Mitwirkung der DRK Tagesklinik, des DRK Hauses für Jugend- und Familienhilfe, der Stadtverwaltung Worms und des Caritasverbandes Worms e.V. statt.

Wer Beratung für sich selber oder Angehörige sucht, kann sich gerne an die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle des Caritasverbandes Worms e.V., Renzstraße 3, Telefon 06241 20617-0 wenden.

 

Galerie