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Stand: 23.08.2017

Pressemitteilung

Geheimnisse, Geschichten

Künstlerin Ursula Gottbrecht und Künstler Stefan Still Künstlerin Ursula Gottbrecht und Künstler Stefan Still © Patricia Mangelsdorff

Die Ausstellung "zwei drei dimensional" der Künstlerin Ursula Gottbrecht und des Künstlers Stefan Still ist ein wunderbarer Ort für jeden, der gerne in Geheimnisse eintaucht. Am 19. April war Vernissage im gleis 7 des Wormser Caritasverbandes.  

Der "Kriegsfürst" bewacht den Eingangsbereich. Geschützt von einem Schild, bewaffnet mit einem Speer, steht die schmale Metallskulptur auf einer Kugel. Aber ist er nicht zu zart, um kriegerisch zu sein? Eher ein Friedenssoldat, zerbrechlich wie der Planet Erde unter seinen Füßen? "Für mich verbindet die Figur Krieg und Frieden...," sagt Stefan Still, "...die Kugel stammt nämlich aus einer Kanone..." Zusammen mit seinem Vater hat er sie in dessen Grundstück nahe der Burg Battenberg ausgegraben. "...und jetzt hat sie für mich eben auch was von einer Weltkugel."

Stefan Still haucht Dingen eine neue Seele ein, ohne die alte zu vertreiben.
Munition, mit der sich einst französische und bayrisch-pfälzische Truppen auf Befehl gegenseitig töteten, wird so zu gleichermaßen zu einem Symbol für Gewalt wie für Schutzbedürftigkeit. Stefan Still haucht Dingen eine neue Seele ein, ohne die alte zu vertreiben. Er verfremdet sie in neuen Zusammenhängen, die gleichzeitig eng mit ihrer Geschichte verbunden sind.

Gelebte Materialien
Auch Ursula Gottbrecht interessiert sich für die Spuren der Zeit: Risse und Einkerbungen im Mauerwerk, Moos auf Steinen, Gebrauchsspuren, unter denen neue Farbschattierungen hervortreten; Brüche, Herauswachsendes und Geborstenes."Das Dach da drüben zum Beispiel...", sie schaut aus dem Fenster, "...je dichter man herangeht, desto mehr entdeckt man darin..." Gelebte Materialien sind es, die sie zu ihren Collagen inspirieren.

Immer wieder folgt sie auch der Natur. In ihr, so sagt sie, sei nichts gleich und gerade. Tiefen und Erhebungen in Baumrinde, gekräuseltes Wasser, gemasertes Holz... Manches verarbeitet sie direkt: Grobes Leinen, feine Stoffe, Sand - mal auf Holz, mal auf Leinwand. Anderes bildet sie ab - aber ganz auf ihre Weise. Sie spürt den Strukturen nach und verwandelt das, was sie sieht, in ihre ganz eigene Farben- und Formensprache. Großflächige Farbimprovisationen, oft aus Naturpigmenten, sind es auf den ersten Blick. Geht man näher heran, sieht man die plastischen Oberflächen, kantig oder geschwungen. Man spürt sie in den Händen, ohne sie zu berühren; ahnt und erkennt Geklebtes und übereinander Geschichtetes.

Sie spachtelt, kratzt und malt, er flext, schleift und sägt.
Es sind nicht "nur" Bilder, die hier an der Wand hängen. Ursula Gottbrecht spachtelt, klebt und kratzt, experimentiert mit Ton, Marmormehl und pulverisiertem Rost. Auch dieses Handwerkliche verbindet sie mit Stefan Still. Die beiden Frankenthaler Künstler - beide Autodidakten -  stellen gerne zusammen aus. So verschieden ihre Werke auch wirken: Es verbindet sie ihre Begeisterung für lebendige Geschichte. Doch während Ursula Gottbrecht sich im Abstrakten zu Hause fühlt, kreist bei Stefan Still, der auch Krankenpfleger ist, fast alles um Menschen.

Eine 250 Jahre alte Fassdaube verarbeitet er zum "Römerschiff". Die Figuren darauf: Eindeutig Soldatenköpfe. Oder? "..alte Fenstergriffe.. und das Fass habe ich mal bei einem Winzer entdeckt, der Brennholz daraus machen wollte. 5000 Liter Rotwein waren drin - das erkennt man an der Einfärbung." Da rudern sie über den Rhein zu uns, die Römer, bringen den Weinanbau, dem die Wälder geopfert werden, deren Holz dann auch zu Fässern wurde.

Stills Skulpturen lassen uns tief in die Geschichte unserer Region eintauchen. Seine Quellen sind Weingüter, Höfe, und Flohmärkte; Wald, Boden und Gewässer... Aber ist er wirklich ein "Jäger und Sammler", wie er sich selber nennt? Sind es nicht eigentlich die Dinge, die ihn finden, um sich dann in einem Prozess, der ihn selber immer wieder überrascht, zu verwandeln? "Manchmal liegt etwas erst lange im Garten... und dann macht es plötzlich 'peng' und ich bearbeite es."

Der Unbeugsame aus Oggersheim
Wie Ursula Gottbrecht schaut er in die Dinge hinein. Die Figur des Fischers hat er vor Jahren auf einem Flohmarkt entdeckt. Ein schmaler Mann auf einem Netz; sein Gesicht gezeichnet vom anstrengenden Kampf um die Existenz. "...bunter Kitsch aus den 70ern - aber das Gesicht des Mannes hatte es mir sofort angetan." In seinem Garten, so sagt er, flexe, schleife und säge er, "...bis es mir gefällt." Oder bis das Wesen des Gefundenen sich zeigt:  "Der Unbeugsame" ist eine Holzbüste, die es auch ohne Augen schafft, den Betrachter grimmig, fast zornig anzuschauen. Gefertigt ist sie aus einem Nussbaum aus Oggersheim, der auf einem Grundstück des Vaters stand. 50 Meter vom Haus Helmut Kohls entfernt.

Entspannt und präsent - die Klänge von "Lounge Affair"
Bei einem Bericht über die Vernissage darf die Musik auf keinen Fall fehlen! Zu "Lounge Affair" könnte kaum ein anderer Name besser passen. Mit der kraftvollen Stimme der Sängerin Maryam Djafari verbreitete die Gruppe mit Sonja Still, Cajon, Manuel Million, Bass (eingesprungen für Uli Steingruber) und Josh Maccoy, E-Piano, eine durch und durch entspannte Stimmung. Ihre Stücke aus Pop, Rock, Swing, Jazz und Blues im eigenen Lounge-Stil waren sehr präsent und  gleichzeitig dezenter Hintergrund für angeregte Gespräche der Besucherinnen und Besucher, die vom Team des Cafés gleis 7 mit sommerlichen Häppchen und kühlen Getränken verwöhnt wurden.

Eine spannende Entdeckungsreise
Es ist ein besonderes Geschenk, die Ausstellung zusammen mit den Künstlern zu besuchen, um alle Schichten ihrer Werke zu sehen und die Geschichten zu hören. Aber auch ohne ihre Begleitung bleibt es eine spannende Entdeckungsreise....

Öffnungszeiten der Ausstellung
Vom vom 20. April bis 25. Mai 2018 , mo - fr von 9.00 - 17.30 Uhr, gleis 7, Renzstraße 3, 1. OG (Zugang durchs café gleis 7)

 

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Einladungskarte zur Ausstellung "zwei drei dimensional"

Einladungskarte zur Ausstellung "zwei drei dimensional"