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Stand: 23.08.2017

Pressemitteilung

Klingender Flur, schwingende Herzen

 

Porträt Frau Renate NeidhöferPorträt Frau Renate NeidhöferPatricia Mangelsdorff

Sie möchte mit Menschen in ihrer letzten Lebensphase musikalisch arbeiten. Deshalb beginnt die  Musikpädagogin Renate Neidhöfer im Sozialen Dienst des Burkhardhauses zu arbeiten. Zunächst sind nur einige Monate im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes geplant. Schnell aber wird im Burkhardhaus klar: Wir lassen sie nicht wieder gehen.

Denn nicht nur bringt sie aus vielen Berufsjahren eine Fülle musikpädagogischer Erfahrungen mit Kindern und Erwachsenen mit. Sie sprüht auch vor Begeisterung für das, was Musik für Seniorinnen und Senioren bedeuten kann. Schnell erweitert sie die Angebote, mit denen die zehn Mitarbeitenden der sozialen Betreuung im Haus den Alltag verschönern um ein offenes Singen und Musizieren. "Musik tut gut" findet seither jeden Freitag statt.

Schon seit langem gehört Musik im Burkhardhaus dazu. Die Mitarbeitenden und auch Leiter Steffen Schön kennen und schätzen die Freude, die gemeinsames Singen oder Musizieren Menschen bereitet: Musik ermöglicht Begegnung und Kommunikation, kann selbst eher verschlossene oder traurige Menschen für andere öffnen und auch schwer dementiell Erkrankte beleben und beteiligen. Renate Neidhöfer: "Selber zu singen oder ein Instrument zu spielen - das bedeutet: Ich kann etwas!"

"Musik hat diesen Zauber... und alle sollen ihn erleben dürfen."

Sie will die Möglichkeiten noch erweitern. "Musik hat diesen Zauber... und alle sollen ihn erleben dürfen. Auch  diejenigen, die nicht mehr aktiv an den Angeboten im Haus teilnehmen können. Sie sind bettlägerig oder haben sich in ihrem Zimmer in eine Welt zurückgezogen, in der es schwer ist,  sie zu erreichen."

Gefühle werden nicht alt.
Auch und gerade für sie kann Musik ein wertvolles Geschenk sein. "Immer wieder löst sie auch bei sehr Pflegebedürftigen feine Veränderungen in Mimik und Gestik, Bewegungen oder Erinnerungen aus, lockert auch bei schwerem Leiden Spannungen, die Menschen lächeln oder summen mit..." Renate Neidhöfer sucht nach den passenden Worten: "...Musik schafft erfüllte Momente. Gefühle werden nicht alt!"
Eine Weiterbildung zur Musikgeragogin gibt ihr den Anstoß, musikalisch noch direkter auf die  Menschen zuzugehen. In dieser jungen Fachdisziplin geht es darum, allen Seniorinnen und Senioren Musik zugänglich zu machen. Und zwar nicht, so betont Renate Neidhöfer, um etwas zu leisten oder beschäftigt zu sein, sondern einfach als Quelle der Lebensfreude.

Der Flur klingt - und alle Sinne sind dabei.
Für ihre Abschlussarbeit will Renate Neidhöfer Musik in den Wohnbereich der Menschen tragen. Inspiriert von den "...kleinen netten Gesprächen, die sich manchmal vor der Zimmertür entwickeln..." entwickelt sie unter dem Namen "Der Flur klingt" musikalische Themenangebote, die Erinnerungen wecken und alle Sinne einbeziehen.

Als Einladung wandert sie eine Erkennungsmelodie flötend oder singend über die Flure eines Wohnbereiches. Wer neugierig ist und Lust hat, kommt dazu - selbständig oder mit Hilfe der Pflegekräfte. Beim 'Klingenden Kaffeekränzchen' locken der Duft von frisch gemahlenem Kaffee, ein liebevoll gedeckter Tisch und Kaffeehausmelodien zum Mitsingen und -tanzen, gemeinsam bringt man Kaffeebohnen zum Klingen und die Küche steuert frischen Kuchen bei. Beim 'Besuch im Zirkus' musizieren alle zusammen als Orchester mit Alltagsgegenständen und erwecken mit der Stimme Akrobaten und Seiltänzer zum Leben - das alles gehüllt in den Duft von Popcorn. Bei den Liedern zur 'Wanderung auf den Donnersberg' hält es eine Dame vor Freude nicht mehr auf dem Stuhl, beim 'Tanz in den Mai' sind plötzlich mehrere Paare auf der Tanzfläche und Renate Neidhöfer beweist, dass Cha-Cha-Cha und Charleston auch im Sitzen möglich sind, bei der 'Abendstimmung' begeistert Bill Ramsey...
Kein Zweifel: Renate Neidhöfer hat noch Ideen in Hülle und Fülle. Bei all dem ist ihr sehr wichtig, immer vorsichtig, einfühlend und äußerst respektvoll zu sein: "Ich möchte die Menschen einladen, aber auf keinen Fall verunsichern oder Grenzen übertreten... Das gilt natürlich für meine gesamte Arbeit! Aber hier im Wohnbereich geht es schließlich um die eigene Privatsphäre. Und da ist völlig klar: Jeder kann die Tür auch zulassen - oder vielleicht nur einen ganz kleinen Spalt öffnen."

Sehr dankbar ist sie für die gute Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus Pflege, sozialer Betreuung und Küche. Ohne ihre Mitwirkung, Umsicht und praktische Hilfe sei das alles überhaupt nicht möglich gewesen. Und noch etwas sei durch diese gute Kooperation möglich: Bisweilen könne sie auch erfahren, wie das Angebot auf diejenigen wirke, die nicht aktiv dabei waren. "Ein Pfleger erzählte mir, ein Bewohner habe während der Musik in seinem Zimmer gesagt: 'Ich höre meinem Sohn beim Musizieren zu.'"

Text: Patricia Mangelsdorff, freie Autorin und Journalistin
Bilder: Caritasverband Worms e.V., Patricia Mangelsdorff (das Porträt von Frau Neidhöfer)

 

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