Schreinerin Petra Pfeiffer, Mitarbeiterin im Innovations- und Qualifizierungszentrum des Caritasverbandes Worms e.V., freute sich über die vielen Fragen der Kinder zum Thema Holz und die Konzentration während der Holzarbeiten.© Caritasverband Worms e.V.
Die Bank soll "ein Platz in der Sonne" werden - sagt Nicole Bach, Leiterin der Spiel- und Lernstube Nordend - und so ist auch das Projekt betitelt.
Auf den Weg gebracht hat sie es gemeinsam mit René Fabian, Koordinator des Projekts BIWAQ für die Caritas, kurz für Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier, einem soziales Partnerprogramm des Städtebauförderungsprogramms "Soziale Stadt" zwischen Caritas, Volkshochschule und der Stadt Worms zur Förderung der Integration in Arbeit und zur Stärkung der lokalen Ökonomie. Umgesetzt wurde das Projekt durch Mitarbeiter:innen in BIWAQ des Caritasverband Worms e.V. in Kooperation mit den Mitarbeiter:innen der Spiel- und Lernstube der Caritas im Nordend. Finanziert wurden die Materialkosten über den Quartiersfonds der Sozialen Stadt Grüne Schiene.
Entstanden ist die Bank in mehreren Arbeitsschritten - vom Sägen über das Schleifen bis hin zum Zusammenbauen und Ölen der Holzbretter. Sogar die verwendeten Schleifklötze wurden von den Teilnehmenden selbst gebaut, berichtet Petra Pfeiffer. Sie ist gelernte Schreinerin und arbeitet im Innovations- und Qualifizierungszentrum (IQW) des Caritasverbandes Worms e.V. Sieben Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren, zwei Elternteile sowie Mitarbeitende der Spiel- und Lernstube waren beteiligt. Dabei war das BIWAQ-Projekt zwar nicht die erste Aktion dieser Art, aber dennoch eine kleine Premiere: Erstmals waren nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder aktiv beteiligt - ganz im Sinne des Konzeptes der Spiel- und Lernstube Nordend, die generationsübergreifend arbeitet und als zertifiziertes Familienzentrum regelmäßig gemeinsame Aktivitäten von Kindern und ihrem Umfeld fördert. "Das Angebot richtete sich bewusst an Kinder und Eltern, um ihnen über den Familienalltag hinaus die Möglichkeit zu geben, gemeinsam qualitativ hochwertige Zeit miteinander zu verbringen und ein gemeinsames Werk zu schaffen", erläutert Nicole Bach.
Viele Hände waren beteiligt an den Holzarbeiten der Sitzbank, die dank gutem Wetter im Innenhof der Spiel- und Lernstube gebaut wurde und dort einen „Platz in der Sonne“ für gemeinsame Zeit bietet.© Caritasverband Worms e.V.
Um die Teilhabe zu erleichtern, wurden die Termine flexibel gestaltet, so dass Familien jederzeit ein- oder aussteigen konnten. Und auch beim Werkeln vor Ort, konnten die Kinder flexibel sein: "Schön ist, dass die Kinder spontan mitmachen konnten und zwischendurch auch Pausen machen durften", berichtet Caritas-Mitarbeiter Gabriel Rieke. "Dieser ungezwungene Rahmen hat ihnen Spaß gemacht und sie motiviert, immer wieder einzusteigen."
Dass die Arbeit mit Holz genau das Richtige für die Kinder der Spiel- und Lernstube Nordend ist, wusste Nicole Bach von Anfang an: "Unsere Kinder lieben praktisches Arbeiten. Viele sind es gewohnt, zu Hause mitzuhelfen - sei es im Kleingarten, beim Kochen oder bei anderen Tätigkeiten. Dementsprechend haben wir auch keine Bedenken, ihnen Werkzeuge in die Hand zu geben." Neben der Förderung handwerklicher Fähigkeiten sehen Nicole Bach und Gabriel Rieke zudem viele pädagogisch wertvolle Aspekte: Die Kinder können sich ausprobieren, Selbstvertrauen entwickeln und gleichzeitig lernen, auch bei anstrengenden Aufgaben durchzuhalten. "Außerdem tut es ihnen gut zu merken, dass ihr Beitrag gebraucht wird", sind sich die Betreuer:innen einig.
Die Sitzbank konnte dank gutem Wetter im Innenhof der Spiel- und Lernstube gebaut werden.© Caritasverband Worms e.V.
Auch René Fabian betont den Mehrwert des Projektes - das weitergehen soll: "Ein Ziel der Umsetzung ist, dass sich möglichst viele schöne Folgeprojekte finden." Die Beteiligten hoffen, dass das Konzept Nachahmer findet und weitere generationsübergreifende Angebote von und für Kinder, Eltern und Einrichtungen im Stadtteil entstehen. Dabei sei es besonders wichtig, die Hürden für eine Teilnahme niedrig zu halten. Die Durchführung in einer bereits vertrauten Einrichtung habe dazu wesentlich beigetragen.
"Am Endprodukt ist zu sehen, dass Kinder mitgemacht haben. Es wurde etwas schief gesägt und geschliffen - und genau das ist viel schöner als Perfektion. Das macht die Bank besonders", findet Nicole Bach. Am Ende steht nun eine Sitzbank, die nicht nur einen Platz in der Sonne bietet, sondern nur durch gemeinschaftliches Anpacken vieler Hände entstehen konnte - und das Nordend nun nachhaltig bereichert.