Einblicke in echte Sozialarbeit
Ein Praxissemester bei der Caritas in Worms bietet einen guten Einstieg und Orientierung fürs Berufsleben
Worms. Wie sieht Sozialarbeit in der Praxis aus? Welche Fachgebiete und Themen umfasst sie? Und liegt mir das überhaupt? Diese und viele weitere Fragen kann Laura Hase nun beantworten. Sechs Monate lang hat die 21-Jährige im Psychosozialen Zentrum (PSZ) der Caritas in Worms mitgearbeitet - und konnte dabei ganz konkret in viele Bereiche reinschnuppern. Möglich war dies im Rahmen eines Praxissemesters ihres Studiums der Sozialen Arbeit an der Hochschule in Ludwigshafen.
Laura Hase hat ihr Praxissemester im Psychosozialen Zentrum der Caritas in Worms absolviert - und freut sich mit dem Team, dass sie auch im Anschluss weiter in der Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen arbeiten wird.© Caritasverband Worms e.V.
Suchtberatung und -prävention, Gruppenangebote, die neu entstehende Online-Suizidberatung, Obdachlosenhilfe, ambulante Hilfsangebote und nicht zuletzt die Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen: "Ich war erst mal ganz erschlagen von der Vielfalt der Angebote", erinnert sich Laura Hase. Freundlich lächelnd sitzt die 21-Jährige im Gruppenraum in der unteren Etage des PSZ in der Renzstraße 3 im hinteren Bereich des Cafés "gleis7". Hier hat sie in den letzten sechs Monaten viel Zeit verbracht, hat mit Klient:innen gearbeitet, an Vorträgen, Fortbildungen und Gruppentreffen teilgenommen. Dabei konnte sie in Absprache mit Fachbereichsleiterin Anja Jäger zum größten Teil selbst entscheiden, welche der vielen Angebote sie kennenlernen und unterstützen möchte. "Ich konnte von Anfang an eigene Schwerpunkte setzen und habe viel Vertrauen entgegengebracht bekommen, mich einzubringen", sagt die Praktikantin. Das habe ihr sehr geholfen, verschiedene Arbeitsweisen kennen zu lernen - und bei der Entscheidung, wo es künftig beruflich hingehen soll. Denn nach dem Studium der Sozialen Arbeit habe man zwar einen Schwerpunkt, könne aber nach wie vor in alle Richtungen gehen.
Besonders die Arbeit im "gleis7" habe ihr gefallen. Ob im Service oder in der Küche an der Seite der Klient:innen: "Das ist ein ganz anderer Rahmen als in einem Beratungsgespräch. Hier entstehen persönliche Kontakte, und ich kann für die Menschen da sein, wenn sie reden wollen oder eine Auszeit brauchen", berichtet Laura Hase. Denn was viele gar nicht wahrnehmen, wenn sie als Gäste ins "gleis7" kommen: Das Café ist inklusiv aufgebaut im Rahmen der Caritas-Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Hier finden diese angeleitet und in einem geschützten Raum Beschäftigung und Anerkennung, gleichzeitig Betreuung und Unterstützung im Alltag. Also Teilhabe im besten Sinne. Damit dies gelingen kann, braucht es soziale Betreuung - wie etwa durch die angehende Sozialarbeiterin Laura Hase im Rahmen ihres Praxissemesters.
Im Obergeschoss über dem Café "gleis7" in Worms befinden sich die Beratungsangebote des Psychosozialen Zentrums (PSZ). Das Café ist integrativ und gehört zur Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen.© Caritasverband Worms e.V./Sandra König
"Für uns sind solche Praktika eine gute Möglichkeit, künftige Fachkräfte für unsere Angebote zu gewinnen und gleichzeitig neue Impulse zu bekommen", sagt Fachbereichsleiterin Anja Jäger. Denn wie in allen sozialen Einrichtungen sind auch im Psychosozialen Zentrum Sozialarbeiter:innen und Sozialpädagogen immer gesucht - sei es, um neue Angebote aufzubauen oder offene Stellen zu besetzen. Hier hilft es, dass die Caritas in Worms so breit aufgestellt und gut vernetzt ist. Auch Laura Hase kam über einen persönlichen Tipp ins PSZ: ihre Patentante, eine ehemalige Mitarbeiterin des Verbands.
Und dieser war ein Glücksfall für beide Seiten: Die junge Wormserin wird auch nach ihrem Praktikum als Honorarkraft bei der Caritas in Worms bleiben - was nicht nur sie, sondern auch die Klient:innen und Kolleg:innen im Café "gleis7" freut. Und vielleicht wird es sie 2027, wenn sie voraussichtlich ihren Bachelor in der Tasche hat, ja auch ganz ins PSZ zurückführen.